Rollstuhlgerechte Sehenswürdigkeiten und Aussichten in Bukarest

Wenn es ums Reisen geht, so bleibt Bukarest eines der wichtigsten touristischen Pforten Rumäniens. Das besondere Flair der Stadt, eine gelungene Mischung von dem „kleinen Paris des Osten“, balkanische Einflüsse und moderne Baukunst machen Rumäniens Hauptstadt zu einem Ort wo man gerne verweilen möchte. Mit dem heutigen Beitrag wollen wir Ihnen einige Infos zur Verfügung stellen über Sehenswürdigkeiten und Aussichtsstellen in Bukarest die auch rollstuhlgerecht sind.

Bukarester Parks – die Grünflächen von Bukarest

 Die Bukarester Parkanlagen sind die Grünflächen der Hauptstadt – weite Oasen von Grün und Natur. Die Alleen sind rollstuhlgerecht und freundlich, alles ist von Sonnenschein und gemütlichem Schatten riesiger Bäume umhüllt. Warum sollten wir nicht einen virtuellen Spaziergang in zwei der bekanntesten Bukarester Parks unternehmen?

Cismigiu ist der älteste und eleganteste Park in Bukarest. Schlendert man da auf den Pfaden des 16 Hektar großen Parks, ist es, als ob man ins 19. Jahrhundert zurückkehrt zu der Zeit als der Park eröffnet wurde. Das an die englische Romantik erinnernde Bild, die jahrhundertealten Bäume, die Skulpturen entlang der Alleen, die Brücken über das Wasser, die kleinen Boote auf dem See oder der Eislaufplatz im Winter verleihen den im Park verbrachten Stunden lebenserweckende Kräfte.

Der Ursprung des Parks reicht zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Wilhelm Mayer, ehemaliger Direktor der Kaiserlichen Wiener Gartenanlagen, diesen Ort in den schönsten öffentlichen Garten Bukarests umwandelte.

Herastrau ist heute der größte und beliebteste Park von Bukarest. Früher war da im Norden der Stadt Schlamm und Sumpf anzutreffen. Die 74 Hektar große Parkanlage entstand 1936 um die Seen entlang des Colentina-Baches. Herastrau wurde immer beliebter dank seiner Sehenswürdigkeiten und seiner günstigen Lage. Seine einzigartige Pflanzenwelt, einschließlich Tagore’s Eiche, macht diesen Park zu einem Ort der Erholung und der Freizeit.

herastrau

 Der Parlamentspalast

 Wir haben bereits den Parlamentspalast in unserem Bericht zur rollstuhlgerechten Stadttour erwähnt. Seine Dimensionen und die Geschichte die hinter dem Bau dieses Gebäudes steckt, verdienen einige zusätzliche Zeilen.

Die Geschichte des Parlamentspalastes beginnt mit dem Erdbeben von 1977 als die alten Gebäude besonders hart betroffen wurden. Der kommunistische Führer des Landes, Nicolae Ceausescu, entschloss sich zu einer Systematisierung von Bukarest. Unter dem tiefen Eindruck seines jüngsten

Besuches in Nordkorea wünschte er sich für die Hauptstadt ein noch imposanteres Gebäude als jene aus Pyongyang – ein Gebäude das ihn schützen sollte vor natürlichen Katastrophen oder von einem möglichen Atomkrieg da in den 1980er der Kalte Krieg noch im vollen Gange war.

palatul-parlamentului-buc-1

Der Wettbewerb für den Entwurf des Palastes dauerte fast ein Jahr. 17 Teams von Elite-Architekten beteiligten sich daran. Gewonnen hat eine 28-jährige Architektin, Frau Anca Petrescu. Jeder weiß, dass der Parlamentspalast auf dem Arsenal-Hügel gelegen ist. Weniger bekannt ist, dass es sich dabei um einen künstlichen Hügel handelt. Sieben Quadratkilometer in der erhaltenswerten Nachbarschaft wurden abgerissen. Die alte byzantinisch anmutende Stadtmitte musste verschwinden mit ihren 30.000 alten Wohnungen und Häusern, mit 19 orthodoxen Kirchen, 6 Synagogen und 3 protestantischen Kultstätten. Unter ihnen historische Bauten wie die Sfanta Vineri Kirche (1650), das Kloster Antim (1715), das Kloster Vacaresti (1736), das Brancovenesc-Krankenhaus (1838), das Gerichtsmedizinische Institut Mina Minovici (1892). Glücklicherweise konnte für einige alte Kirchen (z.B. Schitu Maicilor – 1726 oder Sfantul Ioan Nou – 1756) eine Translations-Technik eingesetzt werden. Andere (wie z.B. die Kirche Mihai Voda – 1564 oder ein kleiner Teil des Mihai-Voda-Gebäude-Ensembles das sich noch am alten Standort befindet) konnten buchstäblich hinter den zehnstöckigen Wohnblocks entlang des Boulevards des Sieges des Sozialismus (heute Freiheits-Boulevard) versteckt und somit vor dem Verschwinden gerettet werden. 60.000 Einwohner wurden in neue Stadtteile umgesiedelt.

Die gesamte Belegschaft der riesigen Baustelle wurde aus ganz Rumänien herangezogen – bis zu 100.000 Arbeiter waren hier im Einsatz unter der Leitung von 200 Architekten. Von Zement und Marmor bis zu Kristallen und Teppichen – alles kam aus Rumänien.

palatul-parlamentului-buc-2

In Zusammenhang mit den Ansprüchen des kommunistischen Führungs-Ehepaars gab es viele Gerüchte. Zum Beispiel heißt es, dass Nicolae Ceausescu, während eines Kontrollganges, als er sich auf dem Hauptboulevard zum Haus des Volkes oder zum Haus der Republik (wie der Palast damals benannt wurde) befand, darauf bestand, dass auf der einen Straßenseite Zitronen und auf der anderen Eichen gepflanzt werden sollten. Er drehte sich um und wiederholte mit Handgesten seinen Wunsch. Die Städtebauer um ihn waren verwirrt und zu erschrocken, um ihn um Einzelheiten zu bitten. So pflanzten sie auf jeder Straßenseite sowohl Zitronenbäume als auch Eichen. Wie immer der Staatspräsident sich zum Boulevard stellte, war sein Wunsch erfüllt: Zitronen rechts, Eichen links (und umgekehrt).

Es gibt viele Stadtlegenden die sich um diesen Ort ranken. Sie wurden niemals bestätigt. Es heißt, es gäbe unterirdische Fluchttunnels und feste Bunkerräume. Das könnte stimmen … oder auch nicht.

 Das Nationale Kunstmuseum – ein Museum für alle

Das rumänische nationale Kunstmuseum ist, nicht nur durch seine Kunstsammlungen die die Mueumswände schmücken, ein Kunstobjekt für sich und ein Meisterwerk der Architekur. Das Museum ist barrierefrei: es ist mit einer Rollstuhlauffahrt und mit Fahrstuhl ausgestattet, also benutzerfreundlich für weniger mobile Besucher. Die Besuchsvorbereitungen sollten im Vorfeld des Besuchs erfolgen.

Wir empfehlen herzlichst ein Besuch dieses Museums, werden hier jedoch nicht über die Gemälde und die Sammlungen sprechen, sondern über die bewegte Geschichte dieses Gebäudes. Während seiner Geschichte war dieses Gebäude, bekannt auch als Königsschloss, der Wohnsitz  bedeutender rumänischen Persönlichkeiten. Seine Geschichte handelt über Glanzzeiten,  Niedergang und Wiedergeburt.

In den frühen 1800-er war es Dinicu Golescu, ein Bojar aus der Wallachei, der die Südseite des Schlosses errichten ließ. Zwei Jahrzehnte später zieht Prinz Alexandru Ghica in den Palast ein. Nach der Vereinigung verwandelt Alexandru Ioan Cuza den Palast in einen Wohn- und Lebensraum mit allen dazu gehörenden Festlichkeiten und Zeremonien.

Es war die königliche Monarchie und König Karl I. die dem Palast ein dem Kleinen Paris des Osten würdiges Aussehen verliehen. Der König beauftragte immer wieder Architekten wie Paul Gottereau aus Frankreich und Karl Liman aus Tschechien um den Bau zu erweitern und sein Äußeres zu erneuern. Diese beiden Namen sind für Rumänienreisende von Bedeutung denn auf sie stoßen Sie erneut beim Besuch des Peles-Schlosses (Liman) oder wenn Sie die eklektische Architektur der Sparkasse in dem Victoriei-Boulevard bewundern.

1926, während der Herrschaft von König Ferdinand, kam es zu einer Schicksalswende für dieses Schloss. Ein Großbrand beschädigte das gesamte Gebäude. Zwischen 1930 und 1940 wurde das Königsschloss erneuert, ausgebaut und erlangte, dank der Begabung des rumänischen Architekten N. Nenciulescu, neuen Glanz.

Das rumänische nationale Kunstmuseum
Das rumänische nationale Kunstmuseum

Unter der kommunistischen Herrschaft wurde das Schloss zum Nationalen Kunstmuseum. Der Zusammenbruch des kommunistischen Regimes 1989 brachte dem Schloss einmal mehr Schaden und Not. Da der Hauptsitz der kommunistischen Partei gegenüber dem Schloss lag, hatte es unter Feuer, dem Schusswechsel und der Wut der aufgebrachten Bevölkerung zu leiden. Die Kunstsammlungen wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Es dauerte ein Jahrzehnt (1990 – 2000) bis der Palast saniert und fürs breite Publikum geöffnet wurde. Heute können Sie sowohl das Schloss als auch seine Kunstwerke bewundern.

Kommen Sie mit uns und entdecken Sie die weniger bekannte Geschichte von Bukarest!

You may also like...

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.