Barrierefreies Rumänien: Reise zu rumänischen Musikmeisterwerken

In unseren letztes Beiträgen ging es um barrierefreies Reisen in denen wir hauptsächlich Tätigkeiten und Reiseziele für Touristen empfahlen deren Mobilität eingeschränkt ist.

Da wir Reisen für alle anbieten, empfehlen wir heute eine musikalische Reise weil es für das nationale Empfinden keinen besseren Ausdruck gibt, als die Musik selber. Es ist unser Weg, jede Seele zu erreichen, insbesondere jene der Reisenden mit Sehschwäche. Leider gibt es in Rumänien nicht viele touristische Orte die solchen Ansprüchen entsprechen.

Wir sind da, um ihnen die Geschichte des Rumänischen Athenäums näher zu bringen, um dem Herzstück der rumänischen Musik von Enescu zuzulauschen und um Ihnen die Geschichte des Calusarul-Tanzes zu erzählen. Der Name dieses Volkstanzes kann nicht ins Deutsche übersetzt werden; bei diesem Tanz sind Sprünge und Gebärden von Rufen begleitet – alles als Teil eines Heilrituals.

Das Rumänische Athenäum – das Zentrum rumänischer Klänge

Für jene die in Bukarest anreisen, ist das Rumänische Athenäum nicht nur eine optische, sondern auch eine akustische Erkennungsmarke. An einer der meistbesuchten Stellen der Stadt gelegen, am Victoriei-Boulevard, begeistert dieses Gebäude die Passanten bereits beim ersten Blick.

Der ungewöhnliche, kreisförmige Grundbau des 1888 fertiggestelten Gebäudes hebt sich ab von all den besonderen benachbarten Bauten. Das Rumänische Athenäum sieht einem Dom ähnlich, ist 41 m hoch und besticht durch sein Baustil – eine Mischung von Neuklassik und Eklektik. Die Säulen in ihrer dorischen Größe sind wie die Pforten zum Reich der Musik.

Der großartige Eingangsbereich verlängert sich in den Innenraum. Die vier eleganten, zu einer Spirale gewundenen Treppen führen den Besucher ins Land der Musik. In der Haupthalle angekommen erkennt man das 1932 begonnene Große Fresco des rumänischen Malers Costin Petrescu das die Geschichte der rumänischen Nation beginnend mit den Dakern darstellt.

Rumänische Athenäum
Rumänische Athenäum

Wir sprechen über Bukarest, das Kleine Paris des Ostens, so dass es keine Überraschung sein müsste, zu erfahren, dass dieses Meisterwerk dem französischen Architekten Albert Galleron zu verdanken ist. Die Geschichte um dieses Bauwerk klärt uns auf über das Bukarest jener Jahre.

In den 1880-er Jahren blühte die Bukarester Kulturszene auf. Die Elite der Stadt schlug vor, einen ausschließlich der Musik gewidmeten Bau zu errichten. Enachita Vacarescu stellte für das Athenäum sein Grundstück zur Verfügung. Dort stand bereits die Einrichtung für ein Reitzentrum – von da der kreisförmige Grundriss. Die Oberschicht der Stadt sprach sich dagegen aus, weil sie meinte, der Standort sei zu abgelegen. Stellen Sie sich das vor: was heute mitten in der Stadt liegt, galt damals als Stadtrand!

Das Gebäude wurde zwischen 1886 und 1888 errichtet und wurde zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Der Nationalmusiker der Rumänen, George Enescu, ermöglichte 1934 durch eine Spende den Erwerb der großen Pfeifenorgel. Heute ist das Rumänische Athenäum der Hauptaustragungsort des George-Enescu-Festivals, das jedes zweite Jahr abgehalten wird. Deshalb werden wir Sie für die Auflage 2017 vormerken!

Eine barrierefreie musikalische Reise – die Rumänische Rhapsodie Nr. 1

Da es ohne den bekanntesten rumänischen Musiker George Enescu keine rumänische musikalische Reise gibt, so gibt es auch kein rumänisches Feeling ohne die Rumänischen Rhapsodien – insbesondere ohne die meisterhafte Rumänische Rhapsodie Nr. 1 in A Dur.

Diese Reise könnte als Quintessenz lokalspezifischen Gefühls und Lebensweise gelten weil sie dem Image der Rumänen als einfache aber dennoch exotische Wesen Klang verleiht.

Die Rumänische Rhapsodie umfasst die Seele einer Nation die zwischen Balkan und Westen liegt, die Freude und den Tanz. Es ist eine Bildungsreise in die Folklore. Die Musikpassagen gleiten sanft ineinander über von Volksmusik zum Hora-Tanz, von einer Volksweise zur anderen mit der Ciocarlia (die Lerche) als Höhepunkt – ein Klang von größter Freude und Optimismus.

Die Orchestration ist vielschichtig und vermittelt auch etwas von rumänischen Volksmusikinstrumenten. Die Harfe, das Zymbalon und die Panflöte verleihen diesem Meisterwerk ein Gefühl von Autentizität.

Ab 1950 gab es verschiedene Darbietungen und Aufführungen dieses musikalischen Wunders. Es war der Dirigent Sergiu Celibidache der durch seine Energie den der Rumänischen Rhapsodie Nr. 1 in A Dur eigenen Dramatik eine besondere Freude und eine lokale Erfüllung hinzufügen konnte.

Um dieses Werk vollkommen zu genießen, muss man nach Bukarest reisen und es an dem Ort hören der vom Schöpfer der Rhapsodie geprägt wurde – das Rumänische Athenäum.

Calusarii – eine barrierefreie Klangreise ins rumänischen Brauchtum

 In Rumänien dreht sich alles um lokale Seele und alte Traditionen. Dazu gehören auch Volksmusik und -tanz. Calusarii ist nicht nur der bekannteste rumänische Volkstanz, sondern auch ein Ausdruck von rumänischer Vitalität und Glauben.

Der Volkstanz wurde 2005 ins immaterielle UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen nicht nur wegen dessen spektakulären Klängen und Bewegungen, sondern auch für den unschätzbaren Beitrag zur Brauchtumsgeschichte.

Calusul wurde jeden Sommer von einer geheimen Bruderschaft in ganz Rumänien und Bulgarien getanzt. In Rumänien überlebt dieser Brauch auch heute noch.

Der Tanz ist eigentlich ein Ritus dem heilende Wirkung zugesprochen wird. Pferdebewegungen und zauberhaftes Fliegen werden umgesetzt in eine Kombination akrobatischer Luftsprünge begleitet von Musik und energischen Rufen der am Brauch mitbeteiligten jungen Leuten.

Das Wort „Calusul“ stammt vom rumänischen „cal“ (deutsch: Pferd). Die ausschließlich männliche Tänzergruppe trägt weiße Tracht; von ihren Hüten baumeln lange, bunte Bänder. In rumänischen Tanzgruppen kommen den Jugendlichen oft Sonderrollen zu, ähnlich wie der Braut oder dem Schelm.

Wenn Sie sich fragen, wieso wir diesen Tanz auch Touristen mit eingeschränktem Sehvermögen empfehlen – also, diese erstaunliche Mischung ist sowohl vom Ton als auch vom Bild her beeindruckend. Der Tanz verkörpert und widergibt eine traditionelle, uralte rumänische Erfahrung.

http://www.dreamstime.com/royalty-free-stock-photo-romanian-folk-dancers-international-festival-image20151605
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Wer aufmerksam zuhört und mitfühlt, dem erschließen sich die Volksmusik und die Bräuche als aussagestarke Elemente der rumänischen Seele. Ein Besuch des Rumänischen Athenäums und die Teilnahme an einer rumänischen Volkstanzaufführung sind eine kleine  Reise zur Essenz der Schönheit dieses Landes.

Wir sind da um sie in dieser Welt der Klänge zu begleiten; wir sind da mit der Einladung, das echte Rumänien-Gefühl zu entdecken!

 

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